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Akuter Papiermangel - Zeitungen und Prospekte in Bedrängnis?

Die deutsche Papierindustrie ist mit einer Vielfalt von 3000 hergestellten Sorten Papier, Pappe und Karton die größte in Europa und die viertgrößte der Welt. Dennoch leiden aktuell bundesweit Druckereien und Verlage unter akutem Mangel an graphischen Papieren. Das wird zum Problem für Zeitungen und Prospekte. Diese werden aus Altpapier hergestellt, das pandemiebedingt fehlt: Altpapier lässt sich nicht einfach produzieren, sondern muss zunächst anfallen, beispielsweise durch alte Zeitungen und Beilagen, die in den Recycling-Zyklus gelangen. In den vergangenen 1 ½ Jahren allerdings wurden weniger Anzeigen gedruckt und Beilagen gebucht, was zu Zeitungen mit geringerem Seitenumfang führte. Jetzt, wo die Nachfrage wieder steigt, zeigen sich also die Auswirkungen.

Auch das starke Wachstum im Online-Handel befeuert die Situation. So wurde sukzessive immer mehr Verpackungsmaterial wie Kartonagen und Paketpappen benötigt, um Ware zu versenden. Die extreme Nachfrage bewegte im letzten Jahr viele Papierproduzenten dazu, maschinell umzurüsten, um den Einbruch des Zeitungs- und Beilagengeschäfts auszugleichen.

Und wie bei jeder Knappheit spiegelt sich die Krise auch in den Preisen. Der Preisanstieg entwickelt sich rasant: Die Kosten für eine Tonne Deinking Altpapier, das für die Herstellung graphischer Papiere benötigt wird, haben sich im August um mehr als verdreifacht. Die gesamte Lieferkette steckt in Schwierigkeiten, der Rohstoffmangel und der hohe Preisanstieg führen bereits zu ersten Stornos.

Druckereien sind die Hände dabei oftmals gebunden. „Wir unternehmen alle uns möglichen Anstrengungen, um die notwendigen Papiermengen zu beschaffen und mit den eingeschränkten Verfügbarkeiten einhergehenden Beeinträchtigungen für unsere Kunden auf ein Minimum zu reduzieren. Leider kann es aber sogar zu Produktions- und Lieferausfällen kommen“, berichtet Ralph Dittmann, Geschäftsführer der WKS Druckholding GmbH. „Die Situation ist für unsere Kunden absolut inakzeptabel und für Drucker sogar existenzbedrohend!“

Axel Gleie, Geschäftsführer NOZ/mh:n MEDIEN, blickt besorgt auf die aktuellen Entwicklungen: "Bedingt durch den drastischen Preisanstieg laufen wir Gefahr, dass künftig eine ganze Reihe unserer Wochenzeitungen gar nicht mehr oder in geringer Auflage und Umfang produziert werden kann. Die aktuellen Entwicklungen sind also nicht nur für Papierhersteller, Druckereien und Verlage dramatisch, sondern auch für Werbetreibende. Darüber hinaus wird die Verlagsbranche durch steigende Energiekosten und eine wahrscheinliche Mindestlohnerhöhung auf 12,00 €/Std. belastet. Diese Entwicklung gefährdet schlussendlich die Meinungs- und Pressevielfalt in unserem Land und damit auch unsere Demokratie."

Druckereien und Verlage brauchen nun eines, um sicher planen und wirtschaften zu können: Verlässliche Partnerschaften mit werbenden Unternehmen. „In derart turbulenten Zeiten zahlen sich wertschätzende und langfristige Partnerschaften aus, über die ganze Lieferkette hinweg“, denkt Johannes Helmberger, Geschäftsführer der Druckerei Niedermayr. Der Experte erklärt: „Aktuell ist das Papier im Fokus. Aber auch bei Hilfsstoffen wie Silikon, Draht, Farbe, Druckplatten oder in der Logistik sieht es nicht besser aus. Nur mit einem klaren Commitment zu Print und stabilen Partnerschaften bekommen wir die Situation wieder in den Griff.“

Klaus Tsaoussidis, Bereichsleiter Einkauf Media Services bei MEDIA Central, setzt auf engen Austausch: „Bislang konnten wir alle Aufträge unserer Kunden platzieren und mussten keine Stornos vermelden. Feste und langfristige Verträge mit Druckereien haben die Auftragslage an vielen Stellen gesichert. Wir haben die Situation fest im Blick und stehen im regelmäßigen Austausch mit Druckereien und Verlagen.“

Wie lange die Knappheit noch andauert, vermag keiner zu sagen. Rechtzeitige und zuverlässige Planungen von Neuaufträgen in 2022 helfen Druckereien und Verlagen aber, die Krise anzugehen.